
Nikotin zerstört Pankreas
Frage: Begünstigt Nikotinabusus eine Pankreatitis bzw. ein Pankreaskarzinom?
Antwort von Dr. Andrea Riphaus, Privatdozent Dr. Till Wehrmann, Medizinische Klinik I, Klinikum Hannover-Siloah:Neben den schon bekannten Faktoren wie fortgeschrittenes Lebensalter, Geschlecht, Religion und Alkoholabusus konnte in den letzten Jahren auch Nikotinabusus als ein Risikofaktor für das Entstehen bzw. die Aggravation von Pankreaserkrankungen identifiziert werden. So lässt sich bei Rauchern ein 2,5fach gesteigertes Risiko für das Auftreten eines Pankreaskarzinoms nachweisen, insbesondere Frauen scheinen hier stark gefährdet.
In einer Fall-Kontrollstudie an 754 Probanden hatten Raucher ein um 70 % erhöhtes Risiko für ein Pankreaskarzinom verglichen mit Nichtrauchern. In der Studie konnte zudem gezeigt werden, dass nach Beendigung des Nikotinkonsums die Inzidenz des Pankreaskarzinoms abnahm. Eine weitere Fall-Kontrollstudie aus Japan belegt, dass Nikotinkonsum überzufällig häufig mit einer chronischen Pankreatitis assoziiert ist, und zwar unabhängig vom Alkoholkonsum. Die derzeitige Datenlage lässt daher den Schluss zu, dass Nikotin ein unabhängiger, relevanter Risikofaktor für die chronische Pankreatitis darstellt. Letztere wiederum erhöhte in mehreren Studien das Risiko für die Ausbildung eines Pankreaskarzinoms - und zwar bis zu 16fach. Bisher ist nicht vollständig geklärt, welche Pathomechanismen dafür verantwortlich sind. Denn Nikotin wirkt in seiner ursprünglichen Zusammensetzung per se nicht karzinogen. Vermutlich wird es jedoch nach seiner Ingestion biotransformiert und ist dann in der Lage, Proteine und DNA zu modifizieren (Kokarzinogen).
Im Rattenmodell akkumulierte Nikotin in größerem Ausmaß im Pankreas und in anderen Regionen des Gastrointestinaltraktes, und die im Tabakrauch vorhandenen Nitrosoderviate zeigten im Tierversuch ein karzinogenes Potenzial an der Bauchspeicheldrüse. Bei Mäusen führte Nikotin zu ähnlichen morphologischen Veränderungen wie Caerulein: es bildeten sich ein interstitielles Ödem, zytoplasmatische Vakuolisation, pyknotische Zellkerne und eine Karyorrhexis. Solche Veränderungen finden sich auch bei der chronischen Pankreatitis. Das legt nahe, dass Nikotin durch oxydativen Stress die Azinuszellen verändert und so eine Pankreatitis auslöst bzw. zu unterhalten vermag. Zusammenfassend belegen die vorliegenden Daten eine Assoziation zwischen Rauchen und chronischer Pankreatitis bzw. Pankreaskarzinom, ohne dass die hierfür verantwortlichen Mechanismen, bisher im Detail aufgeklärt sind.
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